Überschuss ist der Solarstrom, den dein Haushalt im selben Moment nicht braucht und der deshalb ins Netz fließt. Am zuverlässigsten misst du ihn dort, wo dein Haushalt ans Netz angeschlossen ist – also am Stromzähler oder mit einem Sensor im Zählerschrank.
Die App meldet 4 kWh Solarertrag, dein Haushalt verbraucht am Tag 6 kWh – und trotzdem fließen mittags 2 kWh ins Netz. Wie kann das sein? Ganz einfach: Solarstrom kannst du nur direkt nutzen, wenn du ihn im selben Moment verbrauchst. Wer nur die Tagessummen voneinander abzieht, übersieht genau diesen Punkt.
Watt ist der Moment, Kilowattstunden sind die Summe
Erzeugt dein Balkonkraftwerk gerade 600 Watt und dein Haushalt braucht 200 Watt, bleiben 400 Watt übrig. Hält das eine Stunde an, sind das 0,4 kWh Überschuss. Ist es nach einer Viertelstunde vorbei, bleiben nur 0,1 kWh. Deshalb sind regelmäßige Messungen über den Tag viel aussagekräftiger als ein einzelner Blick auf die App.
Viele Messgeräte zeigen Einspeisung als negativen und Netzbezug als positiven Wert. Manche Apps machen es genau umgekehrt. Prüfe das zuerst, zum Beispiel indem du einen Wasserkocher einschaltest und schaust, in welche Richtung sich der Wert bewegt. Addierst du die Einspeiseleistung über die Zeit, erhältst du deine überschüssige Energie. Home Assistant unterscheidet dafür zwischen Leistungs- und Energiesensoren.
Drei Wege, den Überschuss zu messen
Den Stromzähler auslesen. Viele digitale Stromzähler haben eine optische Schnittstelle, an die du einen Lesekopf setzen kannst. Nicht jeder Zähler gibt ohne Weiteres die aktuelle Leistung und beide Richtungen aus. Oft brauchst du eine PIN, die du beim Messstellenbetreiber anforderst.
Einen Sensor im Zählerschrank nutzen. Ein dreiphasiger Energiezähler am richtigen Punkt zeigt Bezug und Einspeisung für den ganzen Haushalt. Der Einbau in den Zählerschrank ist allerdings Sache einer Elektrofachkraft. Damit die Werte stimmen, müssen alle Phasen, die Stromrichtung und das Zeitintervall korrekt eingerichtet sein.
Erzeugung und Verbrauch getrennt messen. Eine smarte Steckdose am Wechselrichter zeigt dir, was dein Balkonkraftwerk erzeugt. Ohne eine zweite Messung für den gesamten Haushalt kennst du den Überschuss damit aber nicht. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine solche Steckdose vor allem, um zu prüfen, ob die Anlage richtig läuft.
Ein Messplan für zwei Wochen
Schreib dir jeden Tag auf: das Wetter, den Ertrag, die eingespeiste Energie, deinen Verbrauch nach Sonnenuntergang und Besonderheiten wie Waschtag oder Besuch. Wenn deine App Verläufe exportieren kann, speichere sie mit. Zwei Wochen sind ein guter Anfang, aber kein ganzes Jahr. Ergänze die Messung später um eine Jahressimulation und Werte aus anderen Jahreszeiten.
| Was du siehst | Was dahinterstecken kann | Was du jetzt tust |
|---|---|---|
| Viel Ertrag, kaum Einspeisung | Du verbrauchst den Strom schon direkt | Speichergröße nicht am Ertrag festmachen |
| Einspeisung mittags, Netzbezug abends | Typische Lücke, die ein Akku füllen kann | Eine kleine Speichergröße simulieren |
| Werte passen nicht zum Zähler | Falscher Messpunkt oder Phasen falsch verrechnet | Messaufbau prüfen lassen |
| App zeigt jeden Tag fast dieselben Werte | Verzögerung oder fehlende Daten | Zeitstempel und Aktualisierung prüfen |
Du hast schon einen Speicher?
Dann verändert er deine Messwerte. Wenig Einspeisung kann einfach heißen, dass der Akku den Überschuss schon aufnimmt. Wenn du wissen willst, wie es ohne Speicher wäre, brauchst du eine Bilanz aus Direktverbrauch, Ladung, Entladung und Verlusten – oder eine Simulation. Fang bitte nicht an, an einem laufenden System Kabel umzustecken, nur um eine Vergleichswoche zu bekommen.
Was du mit den Messwerten anfängst
Gib deine Anlage und deinen Verbrauch in den HTW-Simulator ein und vergleiche das Ergebnis mit deinen Beobachtungen. Liegen beide grob beieinander, kannst du verschiedene Speichergrößen durchspielen.
Noch ein Tipp zum Kauf: Ein Sensor, der dir schöne Daten liefert, kann deinen Speicher deshalb noch lange nicht steuern. Wenn du ihn später für die Regelung nutzen möchtest, prüfe vorher, ob dein Wunschspeicher genau dieses Modell unterstützt.
Häufige Fragen
Kann ich einfach Tagesertrag minus Tagesverbrauch rechnen?
Leider nein. Es kommt auf den Zeitpunkt an. Wenn du mittags 1 kWh übrig hast und abends 3 kWh verbrauchst, hilft dir der Abendverbrauch mittags nichts – der Überschuss geht trotzdem ins Netz.
Reicht eine smarte Steckdose am Wechselrichter?
Sie zeigt dir zuverlässig, was dein Balkonkraftwerk erzeugt. Wie viel dein Haushalt im selben Moment verbraucht, sieht sie aber nicht. Für den Überschuss brauchst du deshalb eine zweite Messung am Zähler oder im Zählerschrank.
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Quellen und Hinweise
Stand der Quellen: 13. Oktober 2026. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; eigene Produkttests haben wir nicht gemacht. Herstellerangaben gelten jeweils nur für das dort beschriebene Modell.
- Verbraucherzentrale: FAQ zu Steckersolar-GerätenVerbraucherberatung
- HTW Berlin: Stecker-Solar-SimulatorForschung & Simulation
- Home Assistant: Home energy managementProjektdokumentation
- Shelly: Pro 3EM API – Messwerte und PhasensummeHerstellerdokumentation