Die passende Größe liegt zwischen zwei Werten: dem Solarstrom, der an normalen Tagen übrig bleibt, und dem, was du verbrauchst, bis am nächsten Morgen wieder die Sonne scheint. Dein Jahresverbrauch oder die Zahl der Module helfen dabei nur grob weiter.
Brauchst du 1, 2 oder 4 kWh? Das hängt von zwei Zahlen ab, die du messen kannst – und die Tabelle weiter unten zeigt, wie stark sie die Antwort verändern. Ein größerer Speicher bringt dir nur dann mehr, wenn du ihn auch füllen und wieder leeren kannst. Die richtige Größe liegt deshalb zwischen zwei Grenzen: wie viel Solarstrom tagsüber übrig bleibt und wie viel du verbrauchst, wenn die Sonne weg ist. Der kleinere dieser beiden Werte begrenzt, was ein Akku überhaupt verschieben kann.
Schau dir zuerst die Stunden ohne Sonne an
Wie viel Strom verbrauchst du zwischen Sonnenuntergang und dem nächsten Vormittag? Ein Beispiel: Läuft dein Haushalt nachts mit 150 Watt, sind das über zehn Stunden 1,5 kWh. Kochen, Fernsehen oder ein Föhn am Abend kommen noch dazu. Eine einzelne Nacht reicht nicht als Grundlage. Schau dir mehrere Werktage und Wochenenden an, denn dein Verbrauch unterscheidet sich oft deutlich.
Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle. Im Sommer liefern die Module bis in den Abend, im Winter ist schon am Nachmittag Schluss. Rechne also nicht mit dem Bedarf einer langen Winternacht und dem Überschuss eines perfekten Sommertags. Diese Kombination gibt es in der Praxis nicht.
Vom Karton zur Steckdose
Auf dem Karton steht 2 kWh – aber so viel kommt bei deinen Geräten nicht an. Ein Rechenbeispiel: Gibt der Hersteller 90 Prozent der Kapazität frei und gehen beim Entladen weitere 10 Prozent verloren, bleiben etwa 1,62 kWh übrig. Die Prozentwerte sind Annahmen, keine Daten eines bestimmten Geräts.
Schau genau hin, was im Datenblatt steht. Ist dort schon die nutzbare Kapazität angegeben, ziehst du die Reserve nicht noch einmal ab. Stellst du dagegen eine Notstromreserve ein, steht dir dieser Teil im Alltag nicht zur Verfügung. Und wenn ein Gesamtwirkungsgrad angegeben ist, steckt der Entladeverlust schon darin.
Drei Haushalte im Vergleich
Die drei Profile sind ausgedachte Verbrauchsverläufe für einen einzelnen sonnigen Tag im Frühjahr, keine Jahresdurchschnitte. Sie zeigen, wie Überschuss und Abendbedarf die Entscheidung verändern. Die Haushaltsgröße allein sagt dabei wenig: Ein Single im Homeoffice verbraucht tagsüber vielleicht mehr Solarstrom direkt als eine Familie, die erst abends nach Hause kommt.
Gerechnet ist so: Pro Tag kann der Akku höchstens das Kleinste aus Überschuss, Abendbedarf und nutzbarer Kapazität verschieben. Als nutzbar setzen wir 80 Prozent der Nennkapazität an – etwas vorsichtiger als die 90 Prozent oben, etwa weil zusätzlich eine kleine Reserve eingestellt ist. Lade- und Entladeverluste sind in der Tabelle noch nicht abgezogen.
| Single, berufstätig | Paar, abends zu Hause | Familie, große Anlage | |
|---|---|---|---|
| Überschuss am Tag | 1,2 kWh | 2,5 kWh | 4,0 kWh |
| Bedarf nach Sonnenuntergang | 1,0 kWh | 2,5 kWh | 4,0 kWh |
| Höchstens verschiebbar mit 1 kWh (nutzbar 0,8) | 0,8 kWh | 0,8 kWh | 0,8 kWh |
| Höchstens verschiebbar mit 2 kWh (nutzbar 1,6) | 1,0 kWh | 1,6 kWh | 1,6 kWh |
| Höchstens verschiebbar mit 4 kWh (nutzbar 3,2) | 1,0 kWh | 2,5 kWh | 3,2 kWh |
Die Tabelle zeigt also, wie viel Solarstrom ein Speicher vom Tag in den Abend verschieben könnte – eine Obergrenze. Durch Lade- und Entladeverluste kommt in der Praxis etwas weniger im Haushalt an. Wie groß der Unterschied ist, hängt vom Speichersystem ab. Nimmt man zum Beispiel je 90 Prozent beim Laden und Entladen an, kämen beim Paar mit 2 kWh statt 1,6 etwa 1,44 kWh bei den Geräten an.
So liest du die Tabelle: Für den Single bringt der Schritt von 1 auf 2 kWh an diesem Tag nur 0,2 kWh mehr, der Schritt auf 4 kWh gar nichts. An diesem Tag reicht hier der kleine Speicher. Beim Paar lohnt sich der Schritt auf 2 kWh deutlich; die 4 kWh würden zwar mehr verschieben, aber nur an Tagen mit vollem Überschuss. Erst die Familie mit großem Überschuss und hohem Abendbedarf nutzt 4 kWh an guten Tagen aus.
Wichtig: Das ist ein guter Tag. Im Sommer kann der Überschuss höher sein, im Winter sinkt er bei allen drei Haushalten stark – dann verschiebt auch der große Akku kaum mehr als der kleine. Die Tageswerte lassen sich deshalb nicht einfach mit 365 malnehmen. Deshalb solltest du die Größen über ein ganzes Jahr simulieren, bevor du dich festlegst.
Wofür 1, 2 oder 4 kWh typischerweise reichen
| Größe | Passt eher zu … | Darauf solltest du achten |
|---|---|---|
| Etwa 1 kWh | wenig Abendverbrauch, begrenztem Überschuss | Wird der Akku an den meisten Tagen voll und abends wieder leer? |
| Etwa 2 kWh | mehr Verbrauch am Abend, ausreichend Erzeugung | Reicht dein Überschuss an normalen Tagen, nicht nur an den besten? |
| Etwa 4 kWh | großem Bedarf, Strom in die Nacht zu verschieben | Bleibt im Frühjahr und Herbst ein großer Teil ungenutzt? |
Das sind Orientierungswerte, keine Kaufempfehlung. Am besten simulierst du alle drei Größen mit derselben Anlage. Wenn die nächste Stufe kaum zusätzlichen Netzstrom spart, lohnt sie sich nicht – auch wenn der Preis pro Kilowattstunde verlockend wirkt.
Kapazität ist nicht gleich Leistung
Ein großer Akku kann einen starken Verbraucher nicht unbedingt allein versorgen. Dein Wasserkocher braucht 2.000 Watt, dein Speicher darf aber nur 800 Watt abgeben? Dann kommen die restlichen 1.200 Watt aus dem Netz. Die Kilowattstunden (kWh) sagen dir, wie lange der Akku reicht. Die Watt sagen dir, wie viel er gleichzeitig liefern kann. In den Herstellerhandbüchern findest du außerdem, welche Erweiterungen und Betriebsarten ein Modell unterstützt.
In vier Schritten zur passenden Größe
- Miss Erzeugung und Einspeisung bei unterschiedlichem Wetter.
- Ermittle deinen Verbrauch nach Sonnenuntergang, nicht nur deine Spitzenwerte.
- Simuliere zuerst eine kleine Kapazität und erhöhe sie dann schrittweise.
- Vergleiche für jede Stufe: Was kostet sie zusätzlich, und was spart sie zusätzlich?
Mit dem HTW-Simulator kannst du das gut gegenüberstellen. Wenn du noch keine Messwerte hast, kann ein kleiner, erweiterbarer Speicher die flexiblere Wahl sein. Das klappt aber nur, wenn passende Zusatzakkus später noch zu haben sind. Darauf würde ich mich beim Kauf nicht verlassen.
Ein einfacher Test im Alltag
Ist dein Akku morgens leer und nachmittags voll, wird er gut genutzt. Ist er fast immer voll, brauchst du abends weniger Strom als gedacht, oder die Reserve ist zu hoch eingestellt. Ist er dauernd leer, fehlt vermutlich Erzeugung – ein größerer Akku würde daran nichts ändern. Erst wenn du Laden und Entladen über ein paar Tage beobachtest, erkennst du, ob mehr Kapazität helfen würde.
Häufige Fragen
Sind 2 kWh die richtige Größe für die meisten Haushalte?
Für manche ja, für andere sind sie zu groß oder zu klein. Wer tagsüber wenig übrig hat oder abends kaum Strom braucht, füllt oder leert 2 kWh selten. Miss deinen Überschuss und deinen Abendverbrauch, bevor du dich festlegst.
Kann ich den Speicher später erweitern?
Bei vielen Systemen ja, aber nur mit passenden Zusatzakkus derselben Gerätereihe. Schau in der Anleitung nach, wie viele und welche Erweiterungen erlaubt sind. Und bedenke: Ob es diese Akkus in ein paar Jahren noch gibt, weiß heute niemand.
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Quellen und Hinweise
Stand der Quellen: 13. Oktober 2026. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; eigene Produkttests haben wir nicht gemacht. Herstellerangaben gelten jeweils nur für das dort beschriebene Modell.
- HTW Berlin: Stecker-Solar-SimulatorForschung & Simulation
- HTW Berlin: Dokumentation des Stecker-Solar-SimulatorsForschung & Simulation
- Anker SOLIX: Solarbank 2 E1600 Plus User GuideHerstellerdokumentation