Wirtschaftlichkeit

Eigenverbrauch und Autarkie: zwei verschiedene Quoten

Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad einfach erklärt und berechnet. Mit Beispiel für Balkonkraftwerk und Speicher – und warum hohe Prozentwerte täuschen können.

Der Unterschied in zwei Sätzen

Die Eigenverbrauchsquote sagt dir, wie viel von deinem Solarstrom du selbst nutzt. Der Autarkiegrad sagt dir, wie viel von deinem gesamten Stromverbrauch der Solarstrom deckt. Beide Zahlen klingen ähnlich, beziehen sich aber auf etwas völlig anderes.

Gleiche Energie, anderer Nenner. Ohne Speicher: Eigenverbrauch 500/800; Autarkie 500/2.500. Freies Beispiel.
Ohne Speicher: Eigenverbrauch 500/800; Autarkie 500/2.500. Freies Beispiel. Grafik einzeln ansehen ↗

„95 Prozent Eigenverbrauch“ – das klingt richtig gut. Nur verrät dir die Zahl nicht, wie viel Strom du noch kaufst und ob sich dein Speicher rechnet. Ohne die Kilowattstunden dahinter ist eine Quote schnell missverstanden. Gerade bei kleinen Anlagen geht ein sehr hoher Eigenverbrauch oft mit einer eher geringen Selbstversorgung einher.

Die beiden Formeln

Eigenverbrauchsquote = selbst genutzter Solarstrom ÷ gesamte Solarerzeugung

Autarkiegrad = durch Solarstrom gedeckter Verbrauch ÷ gesamter Stromverbrauch

Mal 100 genommen, hast du jeweils Prozent. Wichtig ist, dass beide Werte sich auf denselben Zeitraum beziehen, zum Beispiel ein Jahr.

Ohne Speicher ist das schnell gerechnet. Mit Speicher musst du genauer hinschauen: Zählt schon die Energie als „selbst genutzt“, die in den Akku fließt? Oder erst das, was nach den Verlusten tatsächlich bei deinen Geräten ankommt? Hersteller-Apps rechnen hier unterschiedlich. Vergleiche die Quoten verschiedener Hersteller deshalb nicht einfach miteinander.

Ein Beispiel ohne Speicher

Eine Beispielanlage erzeugt 800 kWh im Jahr. Davon verbraucht der Haushalt 500 kWh direkt. Insgesamt braucht er 2.500 kWh Strom im Jahr. Dann liegt die Eigenverbrauchsquote bei 62,5 Prozent und der Autarkiegrad bei 20 Prozent. Die übrigen 300 kWh Solarstrom gehen ins Netz, 2.000 kWh kauft der Haushalt weiter zu.

Jetzt kommt ein Speicher dazu, der nach Abzug der Verluste 150 kWh zusätzlich in den Abend verschiebt. Damit deckt der Solarstrom 650 kWh des Verbrauchs, der Autarkiegrad steigt auf 26 Prozent. Zählt man nur, was wirklich bei den Geräten ankommt, nutzt der Haushalt jetzt 81,25 Prozent seines Solarstroms selbst. Eine App, die schon die Ladung in den Akku als Eigenverbrauch zählt, zeigt hier einen höheren Wert – obwohl dadurch keine einzige Kilowattstunde Netzstrom mehr gespart wird.

Warum hohe Quoten täuschen können

Ein einziges Modul in einem Haushalt, in dem tagsüber ständig Geräte laufen, wird fast seinen gesamten Strom direkt los. Die Eigenverbrauchsquote ist dann hoch, die Ersparnis aber klein, weil das Modul eben nicht viel erzeugt. Umgekehrt kann eine größere Anlage mehr Geld sparen und trotzdem eine niedrigere Quote haben, weil im Sommer mehr Strom übrig bleibt.

Auch wenn dein Wechselrichter abregelt, steigt die Eigenverbrauchsquote – einfach weil weniger erzeugt wird. Genutzt hast du deshalb aber keine Kilowattstunde mehr. Schau dir neben den Prozentwerten also immer auch Ertrag, Netzbezug und Einspeisung in kWh an.

Welche Zahl für welche Frage?

Deine Frage Die passende Zahl
Wie viel spare ich mit Solarstrom? Die eingesparten Kilowattstunden Netzstrom
Wie gut nutze ich meinen Solarstrom? Eigenverbrauchsquote – mit klarer Definition
Wie unabhängig bin ich übers Jahr? Autarkiegrad über ein ganzes Jahr
Was bringt mir der Akku zusätzlich? Wie stark der Netzbezug im Vergleich zu ohne Akku sinkt

Übrigens: Ein hoher Autarkiegrad heißt nicht, dass bei einem Stromausfall das Licht anbleibt. Die meisten Wechselrichter schalten sich dann aus Sicherheitsgründen ab. Dafür braucht es eine eigene Notstromfunktion.

So vergleichst du richtig

Vergleiche immer denselben Haushalt, dieselbe Anlage und denselben Zeitraum. Ein Sommermonat und ein ganzes Jahr lassen sich nicht gegeneinander stellen. Prüfe außerdem, ob dein Akku auch Strom aus dem Netz geladen hat. Dieser Strom zählt nicht zum Solaranteil, auch wenn er später aus dem Speicher kommt.

Der HTW-Simulator weist Eigenverbrauch und Autarkie getrennt aus. Mit Home Assistant kannst du deine Energieflüsse selbst darstellen; dafür musst du die Messpunkte aber richtig zuordnen.

Am Ende zählt etwas ganz Unspektakuläres: weniger gekaufte Kilowattstunden zu vertretbaren Kosten. Eine schönere Prozentzahl in der App ist dafür kein guter Kaufgrund.

Häufige Fragen

Bin ich mit 100 Prozent Eigenverbrauch unabhängig vom Netz?

Nein. Du kannst den Strom eines einzelnen Moduls komplett selbst nutzen und trotzdem den Großteil deines Stroms weiter aus dem Netz kaufen. Wie unabhängig du bist, zeigt der Autarkiegrad.

Spare ich mit mehr Eigenverbrauch immer Geld?

Meistens ja, wenn du ihn ohne Zusatzkosten erreichst, etwa indem du die Waschmaschine mittags laufen lässt. Ein Akku dagegen kostet Geld und verursacht Verluste. Ob er sich lohnt, zeigen die eingesparten Kilowattstunden, nicht die Prozentzahl.

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Quellen und Hinweise

Stand der Quellen: 13. Oktober 2026. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen; eigene Produkttests haben wir nicht gemacht. Herstellerangaben gelten jeweils nur für das dort beschriebene Modell.

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